Wednesday, July 29, 2009

Essensfrust

Nachdem ich jetzt so lange flach gelegen bin, habe ich mir gedacht, könnte ich mir ja heute zur Stärkung so einen richtig schönen Eintopf machen. So einen Eintopf à la Oma mit Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Lauch und Petersilie, der einen nach zu Hause erinnert und ganz automatisch alle Lebensgeister zurückkommen lässt. Voller Vorfreude bin ich also zu meinem Gemüsehändler gewaschelt und wollte die nötigen Zutaten dafür einkaufen. Aber denkste! Kartoffeln und Karotten gab es gerade noch, aber bei Sellerie und Lauch hat es schon aufgehört. Frustrierend! Und nach zwei anstregenden Tagen möchte man eben genau den Eintopf den man daheim immer bekommen hat (wenn man krank war und Oma für einen gekocht hat) und keine Abwandlung davon. Es gibt keinen Ausweg: Aber auch nichts was ich daheim gerne esse lässt sich hier kochen. Und der ewige Reis hängt mir wirklich zum Hals raus...

Sonnenstich

Ich hab ja schon öfter gedacht, dass ich einen Sonnenstich gehabt habe. Aber erst seit den letzten drei Tagen weiß ich wirklich was es bedeutet einen zu haben. Nach einem coolen Trip nach Kanchipuram - einer alten Königsstadt mit vielen ganz großartigen Tempeln - und den umliegenden Dörfern bin ich wohl bei der Rückfahrt ein bisschen zu lange in der Sonne gewesen. Nach 6 Stunden fahrt (spätestens seit 10 Uhr in der prallen Sonne) sind wir am Montag so gegen 12 Uhr in Chennai angegekommen. Ich hab es dann gerade noch geschafft kurz was zu Mittag zu essen (obwohl mir dann schon fast die Augen zugefallen sind). Und dann, seit Montag 14 Uhr bis heute morgen 10 Uhr, habe ich nur noch geschlafen. Kopfschmerzen ohne Ende, Übelkeit und Müdigkeit, Müdigkeit, Müdigleit. So langsam wird es besser, aber, ich glaub, ich brauch noch die ganze Woche bis ich wieder auf der Höhe bin...

Sunday, July 5, 2009

Die Zeit rennt

Ich bin jetzt seit genau 65 Tagen in Indien. Und ich frage mich: Wo ist nur die Zeit hin? Klar, auf der einen Seite weiß ich, dass ich schon längere Zeit hier sein muss: Es wirkt alles so vertraut. Da wäre zum einen die Arbeit bei Udavi: Man kennt sich inzwischen. So habe ich zum Chef und seiner Familie ein fast freundschaftliches Verhältnis. Und auch mit den anderen Mitarbeitern und Freiwilligen verstehe ich mich gut. Auch weiß ich halbwegs wie jeder tickt und hab mich auf die indische Arbeitsweise eingestellt. So, macht die Arbeit Spaß und es läuft!
Zum anderen habe ich mich in Chennai schon super eingelebt: Die Stadt ist zwar keine touristische Perle, dafür haben die Menschen hier so eine natürliche Herzlichkeit, die unheimlich viel Wärme ausstrahlt. Und ich hab inzwischen meine festen Bezugspunkte: Da wären z.B. der Straßenverkäufer zu dem ich fast jeden Abend hingehe um eine 0,33 Pepsi in der Glasflasche zu trinken, mein qualitativ guter Gemüse- und Obsthändler um die Ecke, mein Friseur Babu (der es schafft ohne mich zu verstehen und nur durch Handzeichenkommunikation mir genau die Frisur hinzuzaubern, die ich haben möchte und mich - ganz nebenbei - auch rasiert), mein Schwimmbad zu den ich ebenfalls fast jeden Abend hingehe und in dem ich von meinem Meist-geliebten-Bademeister mit einem herzlich Gruß empfangen werde, der kleine Junge und die anderen Jungs vom ‚Playground’ mit denen ich mich (zusammen mit Kennedy) öfters zum Basketball treffe und die Jungs aus der Nachbarschaft, mit denen ich das ein oder andere Mal ein bisschen rumtolle und die, so scheint es mir, nur um einen kurzen Blick in meine Wohnung zu erhaschen oder mit mir Kontakt zu haben, ständig sämtliche Arten von Bällen auf meinen Balkon feuern und dann mit einem neugierigen Blick zu meiner Tür herreinlunsen und mich mit einem verschmitzten ‚Ball, Ball’ dazu auffordern ihnen ihr Spielgerät zurückzugeben.
Dennoch, auf der anderen Seite kommt es mir vor, als wäre ich erst vor zwei Wochen angekommen. Die zwei Monate und ein paar Tage gingen so wahnsinnig schnell rum, dass ich schon fast garnicht mehr weiß, was ich alles gemacht habe. Trotzdem der Versuch einer kurzen Zusammenfassung: Der erste Monat war mehr oder weniger komplett Orientierungsseminar (nachdem die ganze Einführung vorbei war, sind wir noch mal jeder in die verschiedenen Projekte um uns alles genauer anzuschauen). Was sehr hilfreich war, da wir einen relativ guten Überblick über die Arbeit von UDAVI bekommen haben. Außerdem haben wir Ende Mai die zu Ende gehende Ferienzeit noch genutzt um ein kurzes, aber intensives Sport & Fun-Camp durchzuführen. Im Juli sind wir dann jeder in unser vorgesehenes Projekt. Und ich kann nur sagen super spannend! Mein Projekt ist ausgeschrieben unter ‚Disaster Relief and Rehabilitation Programme for the Victims of Tsunami’. Aber eigentlich geht es viel weiter als sich ‚nur’ mit den unmittelbaren Folgen des Tsunami zu beschäftigen. Vielmehr geht es inzwischen darum sich für die Rechte der Fischerleute (hauptsächlich Dalits) und Slumbewohner einzusetzen, die am Meer wohnen, und deren Existenz durch die verantwortungslose Politik der lokalen Regierung stark gefährdet ist. Die ganze Thematik ist relativ komplex und so ging meine meiste Zeit dafür drauf mich in den Sachverhalt einzuarbeiten (durch Lesen und Diskussion mit den Projektkoordinatoren). Außerdem war ich auf vielen Meetings, in denen es entweder darum ging die weitere Strategie gegenüber der Regierung festzulegen oder die Community für bestimmte Aktionen zu mobilisieren. Den Rest der Zeit habe ich entweder mit dem Schreiben von Berichten oder dem Erstellen des UDAVI-Blogs verbracht. Seit ersten Juli gebe ich an einer Schule, die hauptsächlich sozial benachteiligte Kinder unterrichtet, einen Crash-Kurs in gesprochenem English. Alles in allem rennt die Zeit nur so an mir vorbei. Ein gutes Zeichen!


Friday, June 26, 2009

Kurze Freude

Das war eine kurze Karriere... Erst machen sie mir gestern den Hof und erklären mir lang und breit, dass sie dringend eine Lehrkraft für Deutsch brauchen. Und dann kommen sie heute - auf einmal - und teilen mir mit, dass es doch nicht so wichtig ist und sie schon eine andere Lösung gefunden haben... "Ich könnte dann ja nächstes Semester einsteigen; und dieses Semester, statt zu unterrichten, bei Gelegenheit ein bisschen was über Deutschland erzählen." Na super! Aus der Traum mit der sofortigen Professorlaufbahn. Auch das ist Indien.

Thursday, June 25, 2009

Mario wird Professor

Ja meine lieben Freunde, von heute an dürft ihr mich Professor nennen und das an einer der besten Universitäten Indiens! Eigentlich wollte ich zum berühmeten Loyola College nur um die Erlaubnis zu bekommen ein paar Vorlesungen zum Thema "Social Work" zu besuchen. Doch wie es der Zufall so will, hat uns Kennedys 'Kumpel' gesteckt, dass es im "German Department" noch dringenden Bedarf für einen Deutschprofessor gibt. Nun ja, die Geschichte ist so ausgegangen, dass ich - natürlich;-) - kurzerhand zu erwähnter Fakultaet maschiert bin und die mich für das Semster eingestellt haben. Und so ist es: Professor Mario Seifried! Ich liebe dieses Land!

Sunday, May 10, 2009

Meine erste Woche in Chennai

Ich bin jetzt eine Woche hier. Und es kommt mir vor als wären es schon mehrere Wochen oder gar Monate. Ich fühl mich sogar schon ein Stück weit heimisch. Es ist erstaunlich wie schnell man sich an alles gewöhnt. Der Dreck, die Hitze, der Lärm, die Armut man vernimmt das alles zwar immer noch, doch irgendwie lernt man es zu tolerieren. Vielleicht liegt das auch daran, dass man eher noch Tourist ist und deshalb alles aus einer gewissen Distanz sieht.

Klar gibt es Probleme. Da wären zum Beispiel die ständigen Stromausfälle. So hatten wir (meine Mitbewohnerin und ‚Wife’ Cathy und ich) jetzt innerhalb von einer Woche dreimal keinen Strom, d.h. kein Licht (Oma sei dank, habe ich eine Taschenlampe dabei) und besonders prekär keinen Saft für den Ventilator. Was bei Temperaturen zwischen 35-40°C unter Tags und keiner Klimaanlage ziemlich an die Reserven geht. Eine Nacht war ganz schlimm: zuerst hatten wir kein Wasser mehr. Dann ging um 24 Uhr auf einmal der Ventilator aus. Es dauerte dann keine fünf Minuten, bis ich vor Schweiß triefend nass in meinem Bett lag. Da auch draußen kein Wind ging, kam zudem der ganze Gestank vom nahe liegenden Fluss – falls man bei diesem zähflüssigen Strom aus Industrieabfall, Haushaltsmüll und Fäkalien, der den Begriff Kloake redlich verdient hat, noch davon sprechen kann – in unser Zimmer. Dieser ganze Zustand dauerte über eine Stunde.

Doch das sind bis jetzt eigentlich Anekdoten am Rande. Das Orientierungsseminar (OS) von UDAVI lief bisher echt top. Am Anfang haben wir drei neuen Freiwilligen (Cathy, Anne und ich) erstmal eine Sightseeing-Tour gemacht. So bekamen wir gleich einen guten Überblick über Chennai. Fazit: Besser als gedacht! Es gibt tatsächlich ein paar nette Viertel mit einigen schönen Gebäuden und Gassen. Sehenswürdigkeiten wie die St. Thomas Church, der St. Thomas Mountain, der Marina Beach oder das Fort George sind einen Besuch wert. Außerdem waren die hinduistischen Tempel beeindruckend. Allerdings hält sich alles in überschaubaren Rahmen und mein positives Bild kann sich natürlich wieder ändern, wenn ich mal die anderen Städte gesehen hab.

St. Thomas Church









Ansonsten haben wir im Rahmen des OS alle Themen behandelt, die ich mir im Vorhinein gewünscht hab: Allgemeines zur indischen Kultur und Tradition, eine Einführung in die sozialen Problem Indiens (Stichwörter Überpopulation, Armut, soziale Diskriminierung etc.) sowie einen kurzen Rundumschlag zu Entwicklungspolitik, unserer Rolle als Freiwilligendienstler und sozialer Arbeit im indischen Kontext. Auch fand ich es gut, dass wir zusammen mit der Führungscrew von UDAVI noch mal ausführlich über unsere Erwartungen und Befürchtungen gesprochen und diskutiert haben. Dadurch konnten denke ich viele Missverständnisse von Anfang an vermieden werden. Insgesamt bin ich echt positiv überrascht wie gut UDAVI auf uns eingestellt ist und dementsprechend alles abläuft: die Atmosphäre ist gut, es wird sich um uns gekümmert und wir können offen alles ansprechen (und zwar ohne irgendwelche Irritationen befürchten zu müssen).

Memorial Marina Beach











Nächste Woche geht es dann raus die Projekte anschauen. Nach intensiven Ringen hab ich mich jetzt auch dazu durchgerungen Tamil, also die Sprache des hiesigen Bundesstaates Tamil Nadu, zu lernen. Kein Sprachtalent, bin ich bisher eigentlich davon ausgegangen es gar nicht erst zu versuchen, aber viele – gerade die ärmeren Inder – können einfach kein Englisch und ich denke um wirklich Kontakt zu den ‚normalen’ Indern zu bekommen und intensiver in die Kultur einzutauchen braucht es die Sprache als Schlüssel. Außerdem sind Grundkenntnisse in Tamil bestimmt auch für meine Projekte hilfreich.

Was sicherlich aus europäischer Sicht total interessant ist, ist wie wir hier wohnen. Also: UDAVI hat uns in einem für indische Verhältnisse vornehmeren Viertel untergebracht (Wohngegend für die indische Mittelschicht). Allerdings kann man sich das nicht wie bei uns vorstellen. ‚Vornehm’ heißt in erster Linie - soweit ich es bisher abschätzen kann - es gibt (bis auf wenige Ausnahmen) halbwegs sauberes, fließendes Wasser. Wir haben (ebenfalls bis auf wenige Ausnahmen) Strom. Die Sanitäranlagen funktionieren und - vor allem – wir haben Platz und es ist halbwegs sauber.

Die Wohnung ist ca. 40 qm groß. Dazu kommt eine geräumige Küche, zwei Bäder (eines mit einer ‚normalen’, europäischen Standards entsprechenden Toilette und einer Dusche und eines mit dem obligatorischen Plumpsklo), einem ca. 5 qm Balkon sowie einem großen Dach auf dem man sich wunderbar aufhalten kann (besonders, wenn man versteckt rauchen will). In der Nähe unserer Wohnung sind ein Park, ein Schwimmbad und ein Kricketfeld (auch wenn das nur so halb offiziell gilt und man die ganze Anlage auch als Sandwüste bezeichnen könnte). Dafür ist unsere Straße ein Schotterweg.

Und es liegt auch hier noch jede Menge Müll herum. Unser Wasser wird über einen Tank auf unserem Dach gewonnen d.h. jeden zweiten Tag muss man ins Untergeschoß um den Generator wieder anzumachen um damit den Tank wieder aufzufüllen (was im übrigen so nach ca. einer Stunde dazu führt, dass vom Dach oben ein ziemlicher Wasserstrahl direkt auf unsere Außentreppe runterkommt, da der Tank überläuft – dumm nur das wir genau diese Treppe nehmen müssen um den Generator wieder auszumachen). Von den Stromausfällen habe ich ja bereits berichtet. Und auch von der Kloake in der unmittelbaren Nachbarschaft. Aber was soll’s: So ist das Leben in Indien…

Monday, May 4, 2009

Erste Eindrücke

Ich bin angekommen und vollkommen sprachlos... innerhalb von Minuten schwankt man von ''''völlig fasziniert'''' zu ''''völlig entsetzt'''', um dann wieder einfach nur zu staunen über die berühmten (und tatsächlich existierenden) Kühe auf der Straße, die unglaublichen Menschenmassen - die selbst noch nachts die Straßen belagern - diese wahnsinnige Hitze, der Müll, der Gestank, aber dann auch wieder die bunten Häuser und grünen Palmen überall und natürlich die Armut. Man kann sich gar nicht vorstellen in welchen erbärmlichen Verhältnissen Menschen leben und leben können. Alles hier ist eine wirkliche Herausforderung für die Sinne.

Sonst geht es mir gut! Organisatorisch hat alles geklappt. Die anderen Freiwilligen sind nett. Wir bekommen genügend Zeit uns einzuleben. Die Wohnung ist okay…